Im Juni 2008 probierte ich die erst im Herbst vergangenen Jahres neu eingeführte Busverbindung zwischen Graz und Klagenfurt aus.

In Klagenfurt präsentierte das Landesmuseum Ferdinandeum eine Schmetterlingsausstellung und ich nahm diese Veranstaltung zum Anlass diesmal ausnahmsweise nicht mit dem Zug zu fahren.

Denn die ÖBB hatte sich ein neues Angebot ausgedacht, dass die derzeitige unbefriedigende Situation zwischen den beiden Städten verbessern sollte.

Bekanntlich fährt der Zug von Graz nach Klagenfurt und umgekehrt 'mit der Kirche ums Kreuz', sprich er fährt zunächst mal zu weit nach Norden, um dann zu drehen und wieder Südkurs anzunehmen.

Der Bus aber würde die Städte auf einer relativ direkten Linie verbinden, zwar nicht schienengebunden aber autobahnbeschleunigt.

Als Besonderheit wurde er tariflich wie ein Zug behandelt, dass heißt ich konnte ihn auch mit meiner Österreich Card nutzen, welche eigentlich nur für Züge galt.

Gesagt, getan. Kurz vor der Abfahrt an einem Wochentag stand ich vor einem modernen Stockbus der ÖBB, der direkt vor dem Grazer Hauptbahnhof wartete.

Auch ich wartete, denn der Fahrer war noch die da. Aber dann kam er angetrabt und mit ihm Bewegung in die Truppe. Die Türen wurden geöffnet, und die Insider begannen ihr Gepäck selbständig im hinten angebrachten Laderaum zu verstauen.

Der Fahrscheinverkauf bzw. die Fahrscheinkontrolle erfolgte vorne beim Buslenker. Ein Service im Bus selbst durch eine zweite Person erfolgte nicht.

Der Bus war wie im Zug in eine 1. Klasse und eine 2. Klasse geteilt. Die 1. Klasse befand sich im unteren Bereich, die 2. Klasse im Oberdeck. Eine bemerkenswerte Aufteilung, hatte man somit auf den günstigeren Plätze die bessere Aussicht.

Dafür war die 1. Klasse mit Ledersesseln ausgestattet und verfügte auch über zwei Tische wo man jeweils zu viert sitzen konnte. Dazu Steckdosen, was mich als Notebookbenutzer freute.

Weiters wurden in der 1. Klasse wie beim Zug Zeitungen und Getränke angeboten. Wobei hier aber Selbstbedienung herrschte, da der Fahrer aus begreiflichen Gründen nicht das Service übernehmen konnte.

(Legendär der Witz aus meiner Schulzeit , wo ein Busfahrer nach einem Unfall gefragt wird, wie es denn dazu gekommen sei? Und er antwortete: 'Das kann ich nicht sagen, ich war ja gerade hinten kassieren')

Kurioserweise gab es auch eine Art Teeküche, wo ich mir selbst einen Kaffee oder einen Tee machen hätte können. Aber auf der zweistündigen Fahrt hatte ich nicht wirklich Lust dazu.

Die 2. Klasse war normal ausgestattet, wie man sie von bequemen Reisebusen gewöhnt ist. Für die üblichen Notfälle gab es eine Toilette, diese galt aber für beide Klassen. Man sieht, auch mit einer Fahrschein der ersten Klasse gibt es nicht überall Ledersitze....

Als Angehöriger der schreibenden Zunft wollte ich natürlich die Tische ausprobieren, packte mein Notebook aus und probierte die ersten Zeilen.

Ich musste aber bald aufgeben. Im Gegensatz zum Zug war der Bus doch starken Vibrationen ausgesetzt, die sich durch den starren Tisch auf das Notebook übertrugen.

Das machte das Arbeiten unmöglich, da auch die Festplatte durch die ständigen Stöße auffallend oft in Parkposition gefahren wurde (ein Schutz gegen Zerstörungen durch Stöße im laufenden Betrieb).

Also packte ich mein Notebook wieder ein und begann mir die Landschaft anzusehen. Zweifellos hatte der Bus für den Reisenden einen Zeitvorteil zu bieten. Statt den Reisezeiten zwischen 2,5 und 3 Stunden war man in gut 2 Stunden am Ziel.

Für den Freund von Sehenswürdigkeiten war aber die Ausbeute eher gering im Vergleich zur Bahnstrecke. Die größte Attraktion ist wohl ein toller Blick auf die Burgruine Griffen. Ansonsten fährt man auf der Autobahn und zählt Raststationen.

Für Freunde von Burgen und Schlössern würde ich daher trotz Zeitnachteil die andere Strecke wählen, die an so tollen Burgen wie Hochosterwitz und sogar an der Burgenstadt Friesach vorbeiführt.

Die Ankunft in Klagenfurt gelang nahezu pünktlich, was ja bei Straßenverkehr nicht selbstverständlich ist. Die Fahrt war erfolgreich gewesen, allerdings hatte sie mich als Bahnfahrer nicht begeistert.

Zu schwer wog die mangelnde Möglichkeit am Notebook zu arbeiten und während der Fahrt dem Schienenstoß des fahrenden Zuges zu lauschen...

Zurück nach oben

Weitere Reisenotizen und Links
Fahrt mit der Innsbrucker Mittelgebirgsbahn
Fahrt mit der Stubaitalbahn

© Impressum

 

Lindwurmbrunnen (Klagenfurt)
1 Klagenfurt

Mehr Reisenotizen über
Klagenfurt
Graz

Bildnachweis
Travelwriticus (1)